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Chancen in der Krise

Unternehmensberatung

Autor: Herr Graber & Partner - Dr. Hermann A. Graber - Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Arbeitsrechtsberater, verfasst am 17.06.2009 (2077 Zugriffe)

Unternehmen in der RezessionErfahrungsberichte und Lageeinschätzungen bei einer Rahmenveranstaltung zur „Tipworld“ - der Fachmessefür die Hotel- und Gastronomiebranche in Südtirol.

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die Wirtschaftskrise auch Südtirol in Mitleidenschaft zieht. Aber noch sind die Auswirkungen nicht dramatisch – und es gibt gute Gründe, optimistisch zu sein: Gut aufgestellte Firmen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die diesjährige „Tipworld“ in Bruneck wurde wiederum von zahlreichen Rahmenveranstaltungen begleitet. „Krise als Chance?“ lautete das Thema eines dieser Foren. Werner Zimmerhofer, Geschäftsführer der ZH General Construction AG, verwies dabei darauf, dass die Nachfrage nach Bauleistungen in Teilbereichen stark zurückgegangen ist. Noch schwerer wiege aber, dass ein Preiskampf wütet, in dem manche Firmen Leistungen unter den Kosten anbieten und das Inkasso zunehmend schwierig geworden ist. Auch gebe es für eine Finanzierung von Investitionsvorhaben bei den Banken eine hohe Hemmschwelle. Zimmerhofer gab sich aber trotzdem optimistisch und nannte dafür eine Reihe von Gründen wie die Wertschätzung von soliden Südtiroler Firmen in anderen Regionen Italiens, den Zuschlag von Arbeiten nach Zuverlässigkeit und Qualität statt nach dem günstigsten Preis, die interne Kostenoptimierung und den besonderen Einsatz von Management und Mitarbeitern in dieser schweren Zeit. Zimmerhofer rief dazu auf, mehr zu kooperieren, flexibler zu reagieren und neue Märkte zu erobern, wobei einheimische Unternehmen das Know-how in Sachen energetische Sanierung und die Marke KlimaHaus/CasaClima konsequent nutzen sollten.

Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Hermann Graber verwies in seinem Statement darauf, dass es eine Fehleinschätzung wäre anzunehmen, die Krise betreffe nur die Autozulieferer, den Transportsektor und die Bau- sowie Immobilienbranche. Die Wirtschaft sei vielfältig verflochten, sodass sich Schwierigkeiten in einem Sektor auch in anderen Sektoren bemerkbar machen. Trotzdem gebe es nach wie vor Branchen, wo es kaum Umsatzrückgänge gibt und auch die Ertragslage noch stimmt. Schwer wiege, dass manche Unternehmen kaum über Eigenkapital verfügen und somit „schwach aufgestellt“ seien. Wenn es dann noch Mängel in der Betriebsführung gebe, droht bei anhaltenden Problemen das Aus. Graber forderte Steuersenkungen zwecks Förderung der Eigenkapitalbildung und einen umfassenden Bürokratieabbau, da viele Firmen zu viel Energie in die Erledigung von Papierkram stecken müssen.

Das von der Landesregierung verabschiedete Antikrisenpaket erläuterte Landesrat Hans Berger. Vorläufig habe sich die Landesregierung auf ein Bündel von Maßnahmen beschränkt, die in erster Linie darauf abzielen, Arbeitsplätze zu sichern. Der Landesrat nannte eine Reihe von Hilfen, die von einer Ausweitung der öffentlichen Investitionen bis zu einer Beschleunigung der Beitragszahlungen reichen und die an dieser Stelle bereits eingehend beschrieben worden sind. Dabei nannte er eine Investitionsförderung, bei der eine Firma fünf Jahre auf die Auszahlung der Beiträge warten muss, „eine Farce“. Er stellte aber auch fest, dass „die Wirtschaft in der letzten langen Wachstumsphase viel vertragen hat und ihr auch viel aufgebürdet worden ist; unter den schwieriger gewordenen Bedingungen braucht es jetzt jedoch Veränderungen“. Berger nannte als Anliegen einen Abbau von Bürokratie, Erleichterungen im Baurecht, eine Senkung der IRAP ohne jedwede Bedingung und Eingriffe im Bereich der Baukostenabgabe.

Oswald Lechner, der Leiter des WIFO der Bozner Handelskammer, begründete, warum für Südtirol in diesem Jahr keine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung zu erwarten sei, und sprach in diesem Zusammenhang davon, dass „die Stimmung schlechter ist als die Lage“. Die Auswirkungen der weltweiten Krise seien zwar unübersehbar, aber den Schwierigkeiten in manchen Branchen wie der Bauwirtschaft, der Autozulieferindustrie oder den Druckereien stünden weiterhin positive Erwartungen in vielen anderen Branchen gegenüber. Das Konsumklima in Südtirol ist laut Lechner zwar auch leicht negativ, aber mit Abstand besser als in den umliegenden Regionen. Er erwartet sich eine Stagnation, aber keine Rezession und rief dazu auf, zuversichtlich zu sein, denn Pessimismus verstärke die Krise.

Über die derzeitige Bewertung von Kreditanträgen durch die Banken sprach Anton Kosta, Direktor der Raiffeisenkasse Bruneck. Er unterstrich, dass die einheimischen Banken liquide sind, heute aber besondere Vorsicht bei der Erfüllung von Finanzierungswünschen geboten sei und leider manche Antragsteller in einer Ertrags- oder gar schon Liquiditätskrise steckten. Starke Unternehmen erhielten nach wie vor Geld für gute Projekte, und das zu günstigen Bedingungen. „Wir verteilen sehr wohl Schirme, wenn es regnet“, sagte Kosta, gab aber zu verstehen, dass dies nur dann Erfolg verspricht, wenn die mittel- und langfristigen Wetterprognosen eine Besserung anzeigen und nicht ein Sturmtief, der den Schirm in Fetzen reißen wird.

Zuletzt erläuterte der Unternehmer Christian Gartner in seiner Eigenschaft als Mitglied des Confidi-Verwaltungsratses die Rolle der Garantiegenossenschaften bei der Vergabe von Krediten. Diese garantieren derzeit zusammen für etwa 200 Millionen Euro. Allein dieser geringe Anteil von lediglich etwa 1,5 Prozent der 15 Milliarden umfassenden Ausleihungen macht deutlich, dass es umfassende Maßnahmen bräuchte, um in diesem Bereich etwas zu bewegen.


Autor:
Herr Graber & Partner - Dr. Hermann A. Graber - Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Arbeitsrechtsberater, Rienzfeldstraße 30, 39031 Italien - Südtirol, Italien
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